Das Künstlerduo Cy Dee begann im Jahr 2000 zunächst im Bereich der Videokunst mit der Zusammenarbeit. Seither entstanden neben Kurzfilmen und Videoinstallationen auch Stills, Fotodrucke und Prints auf unterschiedlichen Materialien (Papier, Pappe, Plexiglas).

Die fotografischen Arbeiten vereinen meist verschiedene Techniken: durch die Verwendung von selbstgebauten Lochbildkameras, Plastiklinsen oder der Stripe Photography beeinflussen und gestalten die Künstler die analoge Fotografie unmittelbar im Zeitpunkt ihres Entstehens. Oft ist dabei eine Bildidee der Auslöser, um einen Fotoapparat so zu konstruieren oder zu modifizieren, dass er diese umsetzen kann. In einem zweiten Schritt wird der belichtete Film manipuliert, geröntgt oder wärmebehandelt, um die beabsichtigte Bildwirkung zu erreichen.

Dem Zufall wird in dieser Arbeitsweise bewusst eine große Rolle eingeräumt. Denn Cy Dee verzichtet fast völlig auf die mittlerweile gängige Nachbearbeitung des Bildes mithilfe von Grafikprogrammen. Das Unperfekte, Unkonventionelle und Selbstgebaute wird der „Perfektion“ moderner Digitalkameras entgegengesetzt. Bei ihren künstlerischen Erkundungen geht es oft darum, die technischen und konzeptuellen Grenzen der analogen Fotografie zu überwinden um neue visuelle Eindrücke zu ermöglichen.

Daher werden die entstandenen Bilder als Inkjet- oder Polaroidtransferdruck auf diversen Materialien weiterverarbeitet, großformatige Negative werden als Cyanotypografien oder Van-Dyke Braunabzüge umgesetzt. Das Ergebnis wird danach ins Malerische überführt: Cy Dee collagiert, ergänzt, überlagert und verfremdet. Eine zusätzliche Dimension entsteht, da die zweite Ebene, meistens eine Ölschicht, in einen Dialog mit der vermeintlichen Realität der fotografischen Abbildung tritt. Das Resultat ist ein neues Bild, das entweder durch Überblendung auf der Metaebene das Ursprungsbild „kommentiert“ oder dieses als Inspiration für eine völlig eigenständige Bildfindung nutzt. Im Spannungsfeld von quasi dokumentarischer Bestandsaufnahme und bildnerischer Interpretation des Vorgefundenen untersuchen Cy Dees Bildkompositionen einerseits, welche Assoziationen mit traditionellen Gattungen wie Ölmalerei und bestimmten Formensprachen verbunden sind und wie diese zugunsten neuer Wahrnehmungswelten erweitert werden können.

Architektur, Landschaften und Menschen sind die Motive, die das Künstlerduo an den unterschiedlichsten Orten aufnimmt und meist in seriellen Arbeiten zu Erzählungen über unsere Wirklichkeit verdichtet. Vom Film her kommend ist allen Arbeiten ein Rückbezug auf Motive der klassischen Filmkunst gemeinsam. Bewegung im an sich statischen Medium der Fotografie festzuhalten, vorgefundenes Material zu nutzen, um einen spontanen Einfall umzusetzen, eine Lichtstimmung oder Landschaft einzufangen, daraus entwickeln Cy Dees Bilder ihre narrative Kraft.

Seit Jahren ist Cy Dee mit verschiedenen Ausstellungen und Installationen Teil der künstlerischen Szene der Rhein-Neckar-Region und wurde bereits zu einigen nationalen wie internationalen Festivals und Ausstellungen eingeladen, u.a. zu den Kurzfilmfestivals in Lille und Cannes. Im vergangenen Jahr waren einige ihrer Arbeiten auf dem Internationalen Pinhole Festival Iserlohn sowie auf den Still in Motion Festivals in London und Paris zu sehen. Ab Februar diesen Jahres ist Cy Dee außerdem auf der Wanderausstellung Peace, Love, Pinhole in Omsk vertreten.

„Cy Dees modern wirkende Aufnahmen zeigen scharfe Kontraste und Spiegelungen, erzeugen dabei jedoch durch die Überlagerung von Motiven bestechende und fast verspielte Effekte. Ein Gefühl für die Dimensionen und die Atmosphäre der abgebildeten Gegenstände entsteht. Die Architektur wird fassbar.
(Westfälischer Anzeiger, Annette Kiehl, August 2010)